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Die Nachkommen von Gianni Agnelli: Die Verbindungen von Qualen


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    Wie überträgt man ein Vermögen am einfachsten auf seine Enkel? Also in diesem Fall einen der bekanntesten Autokonzerne der Welt? Bei den Anteilen an Fiat nutzte die Agnelli-Familie dafür einen diskreten Treuhänder, eine exklusive Schweizer Privatbank und eine Gesellschaftsform, mit der sonst Kleinbauern in Italien ihre Betriebe anmelden. Man muss sich dann aber nicht wundern, dass es Ärger gibt, weil Verwandte glauben, sie seien bei dem Geschäft um viel Geld gebracht worden. Um sehr viel Geld, genau genommen.

    In Turin wird gegenwärtig eine der wohl teuersten Erbstreitereien Europas ausgefochten. Verhandelt wird über den Milliarden-Nachlass von Gianni Agnelli, dem Herrscher über ein Imperium, zu dem neben Anteilen an Fiat auch Beteiligungen an Ferrari und an dem Fußballclub Juventus Turin gehörten. Im vergangenen November berichtete die ZEIT darüber, wie Gianni Agnellis einzige Tochter, Margherita Agnelli, gegen ihre eigenen Kinder aus erster Ehe klagt. Sie glaubt, dass sie bei der Aufteilung des Erbes schlecht weggekommen sei, und unterstellt ihren Kindern John, Lapo und Ginevra Elkann, sie zusammen mit deren inzwischen verstorbener Großmutter Marella Agnelli betrogen zu haben. Aus nun von der ZEIT ausgewerteten Gerichtsunterlagen geht hervor, wie rasant Anteile an dem Milliardenkonzern Fiat nach dem Tod des Patriarchen verteilt wurden. Und wie einfach ein gigantisches Vermögen auf dem Papier verschoben wurde. Es stellt sich die Frage, ob dabei alles mit rechten Dingen zuging. Oder ob Familienmitglieder ein Verschleierungsmanöver inszeniert haben.

    Die ZEIT hat den Elkann-Geschwistern einen Fragenkatalog geschickt, auf den ein Vertrauter von ihnen mit einem Statement antwortete. Es sei absurd, zu behaupten, dass Margherita Agnelli zu schlecht weggekommen sei. Sie habe sich von der Familie entfernt, auf einen Teil des Erbes verzichtet und wolle nun ein unverdientes zweites Stück vom Kuchen haben (rund 800 Millionen Euro hat sie bereits aus dem Erbe erhalten). Seit Anfang Juni ist der Turiner Prozess unterbrochen. Das Gericht will zunächst die Entscheidung zweier Verfahren in der Schweiz abwarten, wo die Verwandten ebenfalls streiten.

    4,6 Milliarden Euro stehen nach Ansicht seiner Mutter Margherita Agnelli bei dem Streit auf dem Spiel.

    Die Prozesse in der Schweiz und in Italien ermöglichen einen seltenen Einblick in das Innenleben einer schwerreichen Dynastie. Es geht bei diesem Streit zwischen Margherita Agnelli und ihren Kindern um nicht weniger als 4,6 Milliarden Euro, wie die Mutter vorträgt. Sollte sie recht bekommen, wäre dieses Vermögen neu zu verteilen. Das hätte auch Folgen für den Autokonzern Stellantis, in dem Fiat inzwischen aufgegangen ist. Dort sitzt Magheritas Sohn John Elkann im Aufsichtsrat. Aufseiten der Kinder gibt man sich gelassen. Deren Vertrauter sagt: Die Mutter werde mit ihren Forderungen nicht durchkommen, mögliche Folgen für andere Unternehmen seien ausgeschlossen.

    Der Zorn der Mutter entzündet sich besonders an einer Episode, bei der die Anteile an einer Gesellschaft namens Dicembre von der Großmutter an die Enkel übertragen wurden. Die Mutter behauptet, man habe sie mit einer Art Enkeltrick dabei übergangen. Die Sache ist verworren, wie immer, wenn es um viel Geld geht. Die Gesellschaft Dicembre ist die Schatztruhe der Familie, über sie kontrollierte der Patriarch Gianni Agnelli den Fiat-Konzern. Heute werden über Dicembre indirekt auch Anteile an Stellantis gehalten, einem der größten Autokonzerne der Welt. Und sie ist auch die Gesellschaft, deren Rechtsform als Società semplice eher für Kleinbauern gedacht ist als für eine Welt-AG.

    Zu Lebzeiten von Gianni Agnelli, so geht es aus der Aufstellung eines Notars hervor, die der ZEIT vorliegt, hielten John Elkann, dessen Mutter Margherita Agnelli, Giannis Frau Marella Agnelli und er selbst jeweils ein Viertel der Anteile an der Gesellschaft. Stimmrechte allerdings hatte nur der Patriarch. Nach dem Tod von Gianni Agnelli im Jahr 2003 wurden dessen Anteile auf die verbliebenen drei Gesellschafter aufgeteilt. Dann kaufte in einem schwer durchschaubaren Deal die Ehefrau (und Elkann-Großmutter) Marella die Anteile der Tochter Margherita. Im Jahr 2019 verstarb dann auch sie. Heute hält John Elkann 60 Prozent der Anteile, seine Geschwister Ginevra und Lapo halten jeweils 20 Prozent. Doch wie es genau dazu kam, dazu gibt es zwei Darstellungen.

    Margherita Agnelli hat eine recht einfache Sicht auf die Dinge. Sie behauptet vor Gericht: Ihre Mutter Marella habe den Enkeln die Anteile geschenkt – aber man habe den Deal aussehen lassen wie einen Kauf. Die unterstellte Absicht dahinter: Eine Schenkung wäre nach italienischem Erbrecht ungültig, weil die Mutter die eigene Tochter nicht überspringen kann. Hätten die Enkel aber die Anteile gekauft, wäre an der Sache nichts zu beanstanden – und Margherita Agnelli könnte nichts nachfordern.

    Man versteht also, warum die Mutter behauptet, die Fiat-Anteile seien ein Geschenk der gütigen Großmutter an die Enkel. Und man versteht ebenso, warum die Enkel ihre Großmutter als nicht so großzügig dargestellt sehen wollen. Sie haben deshalb zu ihrer Verteidigung jede Menge Unterlagen bei Gericht eingereicht. Und sie gehen fest davon aus, wie es der Vertraute formuliert, dass "nichts den Transfer der Dicembre-Anteile an die Elkanns rückgängig machen kann".

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    Author: Lance Harris

    Last Updated: 1700403241

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